Artist’s Statement

Artist’s Statement

Remix42

Anlässlich einer Stipendiums-Bewerbung unternahm ich ausgedehnte Spaziergänge durch mein Fotografisches Archiv. Manchmal fühlte es sich ein wenig so an, als würde ich einen Familienroman nach längerer Zeit noch einmal lesen. Man erinnert sich an die Protagonisten, die Szenen und Handlungsorte und vielleicht sogar noch an Assoziationen, die einem beim ersten Lesen gekommen waren.  Man verortet die Geschichten in seiner eigenen Entwicklungsgeschichte, auf die man nun – ein gutes Stück weit entfernt – zurückschaut.

Es ist wohl ein Fortsetzungs-Roman, der noch nicht zu Ende geschrieben ist. Neue Generationen und Familienmitglieder sind dazugekommen, die Story wird von mindestens zwei Enden aus zueinander hin erzählt. Gelegentlich kommen Bilder aus weit voneinander entfernten Entstehungs-Zeitpunkten nebeneinander zu stehen.

Die Zeiten ändern sich; alles wird komplexer, digitaler, widersprüchlicher. Damit gilt es konstruktiv und positiv umzugehen. Doch es gibt auch alte Quellen, deren Wirkmechanismen und Einflüsse sich bis heute fortsetzen. Alte Bilder. Vor-Bilder, die sich im Heutigen spiegeln.

Das imaginäre Museum, zu Beginn ganz fremdbebildert, und nun um die eigenen Images erweitert, bedingt und verändert das Sehen der Welt mit seinen Strukturen und Erinnerungen.

„Man sieht nur, was man weiß“ ist sicher nur ein Teil der Wahrheit; sich davon zu befreien, immer wieder nur dasselbe zu sehen, auch darin besteht für mich der künstlerische Prozess. Aber das innere Archiv der Vorbilder ist lebendiges Kunst-Kapital. Die „verwandten Seelen“, im Laufe der Jahre zum anverwandelten Kanon geworden, bedeuten die Schultern auf denen ich mich stehen sehe. Ich zitiere sie gern, manchmal aber zitieren sie sich einfach auch ganz munter selbst und manifestieren sich – wie von Geisterhand – in neuen alten Bildern.

Claus Sautter, März 2019